Vitamin K2 wird als Schutzstoff für Knochen und Gefäße vermarktet. Vitamin K1 wirkt daneben beinahe altmodisch: grünes Gemüse, Blutgerinnung, fertig.

Doch diese Einordnung unterschätzt Vitamin K1 erheblich.

Vitamin K1 ist die wichtigste Vitamin-K-Form in unserer Ernährung. Es bildet die Grundlage für die Aktivierung lebensnotwendiger Gerinnungsfaktoren und beteiligt sich ebenso am Knochenstoffwechsel. Außerdem kann der Körper einen Teil des aufgenommenen Vitamin K1 in andere Vitamin-K-Formen umwandeln.

Ein ausgeprägter Mangel kann gefährliche Blutungen verursachen. Gleichzeitig ist eine zusätzliche Einnahme für gesunde Menschen meist unnötig, weil bereits eine Portion grünes Gemüse erhebliche Mengen liefert.

Vitamin K1 ist daher ein gutes Beispiel für einen Nährstoff, bei dem nicht die teuerste Kapsel, sondern häufig der Inhalt des Gemüsefachs entscheidet.


Was ist Vitamin K1?

Vitamin K bezeichnet keine einzelne Substanz, sondern eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen.

Die beiden wichtigsten Gruppen sind:

  • Vitamin K1, auch Phyllochinon oder Phytomenadion genannt,
  • Vitamin K2, ein Sammelbegriff für verschiedene Menaquinone.

Vitamin K1 wird von Pflanzen gebildet und kommt vor allem in grünen Blättern vor. Dort ist es an der Photosynthese beteiligt.

Für den Menschen ist Vitamin K1 die wichtigste natürliche Vitamin-K-Quelle. Das amerikanische Office of Dietary Supplements bezeichnet Phyllochinon als die überwiegende Vitamin-K-Form in der menschlichen Ernährung.

Vitamin K2 findet sich dagegen vor allem in fermentierten und bestimmten tierischen Lebensmitteln. Es umfasst verschiedene Formen wie MK-4, MK-7, MK-8 und MK-9.

Obwohl sich K1 und K2 hinsichtlich Aufnahme, Halbwertszeit und Verteilung unterscheiden, greifen beide in dasselbe grundlegende Vitamin-K-System ein.


Warum heißt es Vitamin K?

Der Buchstabe K leitet sich vom Begriff Koagulation ab, also von der Blutgerinnung.

Vitamin K wurde entdeckt, weil Tiere bei einer Vitamin-K-armen Ernährung zu Blutungen neigten. Später erkannte man, dass bestimmte Gerinnungsproteine ohne Vitamin K nicht richtig aktiviert werden können.

Diese Funktion ist bis heute die am besten belegte und medizinisch wichtigste Aufgabe des Vitamins.

Vitamin K ist allerdings nicht nur ein „Gerinnungsvitamin“. Es aktiviert auch Proteine, die an Knochenstoffwechsel, Gefäßbiologie und verschiedenen Zellfunktionen beteiligt sind.


Wie Vitamin K1 im Körper wirkt

Vitamin K dient als Hilfsstoff für ein Enzym, die sogenannte Gamma-Glutamyl-Carboxylase.

Dieses Enzym verändert bestimmte Eiweiße so, dass sie Calcium binden können. Der Vorgang wird als Gamma-Carboxylierung bezeichnet.

Zu den Vitamin-K-abhängigen Proteinen gehören:

  • Gerinnungsfaktor II,
  • Gerinnungsfaktor VII,
  • Gerinnungsfaktor IX,
  • Gerinnungsfaktor X,
  • Protein C,
  • Protein S,
  • Protein Z,
  • Osteocalcin,
  • Matrix-Gla-Protein.

Vitamin K aktiviert also sowohl Proteine, die die Gerinnung fördern, als auch Proteine, die eine übermäßige Gerinnung begrenzen.

Das zeigt: Vitamin K „verdickt“ nicht einfach das Blut. Es ermöglicht vielmehr die normale Regulation des gesamten Gerinnungssystems.


Der Vitamin-K-Kreislauf

Vitamin K wird bei der Aktivierung der Proteine chemisch verändert. Anschließend kann es über den sogenannten Vitamin-K-Kreislauf regeneriert und erneut verwendet werden.

Dieser Recyclingmechanismus erklärt, weshalb der Körper trotz relativ kleiner Vitamin-K-Speicher mit vergleichsweise geringen täglichen Mengen auskommt.

Bestimmte gerinnungshemmende Medikamente blockieren genau diesen Kreislauf. Dazu gehören:

  • Phenprocoumon,
  • Marcumar,
  • Warfarin.

Dadurch stehen weniger aktive Gerinnungsfaktoren zur Verfügung und die Blutgerinnung wird verlangsamt.

Vitamin K ist somit nicht bloß ein Nährstoff, sondern Teil eines medizinisch hochrelevanten Regulationssystems.


Vitamin K1 und die Blutgerinnung

Die Blutgerinnung muss zwei gegensätzliche Aufgaben erfüllen:

  • Bei einer Verletzung muss sie Blutungen stoppen.
  • Im unverletzten Gefäß darf sie keine unnötigen Gerinnsel bilden.

Vitamin-K-abhängige Proteine wirken auf beiden Seiten dieses Systems.

Ohne ausreichend Vitamin K können mehrere Gerinnungsfaktoren nicht genügend Calcium binden. Dadurch wird die Gerinnungskaskade beeinträchtigt.

Ein schwerer Mangel kann folgende Beschwerden verursachen:

  • häufige blaue Flecken,
  • Nasenbluten,
  • Zahnfleischbluten,
  • ungewöhnlich lange Blutungen,
  • Blut im Urin oder Stuhl,
  • starke Monatsblutungen,
  • in schweren Fällen innere Blutungen.

Ein ausgeprägter Vitamin-K-Mangel ist bei gesunden Erwachsenen selten. Bei bestimmten Erkrankungen oder Medikamenten kann er jedoch auftreten.


Macht Vitamin K1 das Blut „zu dick“?

Diese Sorge hört man häufig.

Bei einem gesunden Menschen mit normaler Gerinnungsregulation führt grünes Gemüse nicht automatisch zu gefährlichen Blutgerinnseln.

Vitamin K stellt lediglich sicher, dass Vitamin-K-abhängige Proteine funktionsfähig sind. Der Körper verfügt daneben über zahlreiche weitere gerinnungsfördernde und gerinnungshemmende Kontrollmechanismen.

Eine hohe Aufnahme über Lebensmittel wurde bei gesunden Menschen nicht als typische Ursache von Thrombosen identifiziert.

Anders ist die Situation bei Menschen, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen. Dort kann eine stark schwankende Vitamin-K-Zufuhr die Wirkung der Medikamente verändern.

Das Problem ist dann nicht das Gemüse an sich, sondern die Wechselwirkung mit der Therapie.


Vitamin K1 und der Knochenstoffwechsel

Vitamin K aktiviert Osteocalcin, ein Protein, das von knochenbildenden Zellen produziert wird.

Erst durch die Vitamin-K-abhängige Carboxylierung kann Osteocalcin Calcium effektiv binden.

Damit besitzt auch Vitamin K1 eine direkte Verbindung zur Knochengesundheit. Die scharfe Werbetrennung

  • K1 nur für die Blutgerinnung,
  • K2 nur für Knochen und Gefäße

ist biologisch zu einfach.

Vitamin K1 wird bevorzugt von der Leber aufgenommen. Es kann jedoch auch extrahepatische Proteine beeinflussen und teilweise in MK-4 umgewandelt werden.

Studien zeigen, dass eine gute Vitamin-K-Versorgung mit günstigeren Knochenmarkern verbunden sein kann. Ob zusätzliche K1-Präparate bei ausreichend versorgten Menschen zuverlässig Knochenbrüche verhindern, ist jedoch nicht überzeugend geklärt.

Eine Übersichtsarbeit zur Knochengesundheit bestätigt die mechanistische Rolle Vitamin-K-abhängiger Proteine, weist aber zugleich auf uneinheitliche klinische Ergebnisse hin.


Ist Vitamin K2 für die Knochen grundsätzlich besser?

K2-Formen, insbesondere MK-7, bleiben länger im Blut und erreichen möglicherweise extrahepatische Gewebe leichter.

Das bedeutet jedoch nicht, dass K1 für Knochen wertlos wäre.

Vitamin K1 kann:

  • Osteocalcin aktivieren,
  • zur gesamten Vitamin-K-Versorgung beitragen,
  • teilweise in MK-4 umgewandelt werden,
  • über eine gemüsereiche Ernährung zusammen mit zahlreichen weiteren knochenrelevanten Stoffen aufgenommen werden.

K2 kann für bestimmte Anwendungen eine interessante Ergänzung sein. Es ersetzt aber nicht automatisch K1 und macht grünes Gemüse nicht überflüssig.

Die sinnvollere Frage lautet daher nicht:

K1 oder K2?

Sondern:

Ist die gesamte Vitamin-K-Versorgung ausreichend?


Vitamin K1 und Gefäßverkalkung

Das Matrix-Gla-Protein, kurz MGP, gehört zu den wichtigsten körpereigenen Hemmstoffen von Verkalkungen in Gefäßwänden.

Auch dieses Protein benötigt Vitamin K, um aktiviert zu werden.

Daraus ergibt sich die plausible Annahme, dass eine unzureichende Vitamin-K-Versorgung Gefäßverkalkungen begünstigen könnte.

Für Vitamin K2 gibt es hierzu besonders viele Forschungsarbeiten. Bei Vitamin K1 ist das Bild weniger eindeutig.

In der Rotterdam-Beobachtungsstudie war eine höhere K2-Aufnahme mit günstigeren kardiovaskulären Ergebnissen verbunden, während sich für K1 kein vergleichbarer Zusammenhang zeigte. Beobachtungsstudien können allerdings keine sichere Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen.

Auch systematische Auswertungen fanden bislang keine ausreichenden Belege dafür, dass Vitamin-K-Präparate bei gesunden Menschen Herzinfarkte oder Schlaganfälle zuverlässig verhindern.

Vitamin K ist biologisch an der Gefäßgesundheit beteiligt. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass zusätzliche K1-Tabletten eine wirksame Herz-Kreislauf-Therapie darstellen.


Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Vitamin K1?

Vitamin K1 befindet sich vor allem in dunkelgrünen Blattgemüsen.

Besonders gute Quellen sind:

  • Grünkohl,
  • Spinat,
  • Mangold,
  • Petersilie,
  • Brokkoli,
  • Rosenkohl,
  • Feldsalat,
  • Kopfsalat,
  • Rucola,
  • Wirsing,
  • Brunnenkresse,
  • Kohlblätter.

Auch einige pflanzliche Öle liefern Vitamin K1, beispielsweise:

  • Rapsöl,
  • Sojaöl,
  • Olivenöl.

Die genaue Menge hängt von Sorte, Anbau, Reifegrad, Lagerung und Zubereitung ab.

Eine Portion Grünkohl oder Spinat kann bereits ein Mehrfaches des täglichen Referenzwertes enthalten.

Das ist bei gesunden Menschen normalerweise kein Problem.


Warum grünes Gemüse so reich an Vitamin K1 ist

Vitamin K1 ist Bestandteil der pflanzlichen Photosynthese.

Es konzentriert sich deshalb vor allem in chlorophyllreichen Pflanzenteilen. Je dunkler und blattreicher ein Gemüse ist, desto höher ist häufig sein Vitamin-K1-Gehalt.

Die grüne Farbe selbst garantiert zwar keine bestimmte Menge, ist aber ein brauchbarer Hinweis.

Obst, Getreide und Fleisch enthalten im Vergleich meist deutlich weniger K1.

Wer regelmäßig grünes Gemüse isst, erreicht den Bedarf daher meist problemlos.


Wird Vitamin K1 aus Gemüse gut aufgenommen?

Vitamin K1 ist fettlöslich.

Seine Aufnahme aus Blattgemüse ist geringer als aus Öl oder Nahrungsergänzungsmitteln, weil das Vitamin fest in pflanzlichen Zellstrukturen gebunden sein kann.

Die Aufnahme verbessert sich durch:

  • Zerkleinern,
  • Kauen,
  • Pürieren,
  • schonendes Garen,
  • die Kombination mit etwas Fett.

Ein Spinatsalat mit Olivenöl oder Brokkoli mit Butter beziehungsweise einer fetthaltigen Sauce liefert daher nicht nur Geschmack, sondern kann auch die Vitamin-K-Aufnahme verbessern.

Dafür ist keine extrem fettreiche Mahlzeit erforderlich. Bereits eine moderate Fettmenge genügt.


Wird Vitamin K1 durch Kochen zerstört?

Vitamin K1 ist relativ hitzestabil.

Kochen zerstört es nicht vollständig. Durch Erhitzen und den Wasserverlust kann der gemessene Gehalt pro 100 Gramm gekochtem Gemüse sogar höher erscheinen.

Verluste können entstehen durch:

  • langes Warmhalten,
  • starke Lichteinwirkung,
  • längere Lagerung,
  • Wegschütten von Kochwasser,
  • industrielle Verarbeitung.

Frisches und tiefgekühltes Gemüse können beide gute Vitamin-K-Quellen sein.

Wer ausschließlich Rohkost für wirksam hält, macht sich das Leben unnötig schwer.


Wie viel Vitamin K benötigt der Mensch?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt Schätzwerte für die tägliche Vitamin-K-Zufuhr.

Für Erwachsene gelten ungefähr:

  • 70 Mikrogramm täglich für Männer,
  • 60 Mikrogramm täglich für Frauen.

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA legt für Erwachsene einen angemessenen Zufuhrwert von 70 Mikrogramm Phyllochinon pro Tag zugrunde.

Diese Werte sollen vor allem eine normale Gerinnungsfunktion sicherstellen.

Ob für eine optimale Aktivierung aller Knochen- und Gefäßproteine höhere Mengen erforderlich sind, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.

Der Referenzwert ist deshalb kein exakter persönlicher Bedarf und auch keine therapeutische Dosierung.


Ist eine hohe Zufuhr über Gemüse gefährlich?

Für natürlich vorkommendes Vitamin K1 wurde keine allgemeine tolerierbare obere Zufuhrgrenze festgelegt.

Das liegt daran, dass bei gesunden Menschen selbst eine deutlich höhere Aufnahme über Lebensmittel bislang nicht mit einer typischen Vergiftung verbunden ist.

Vitamin K unterscheidet sich damit von anderen fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A oder Vitamin D, bei denen hohe Mengen toxisch werden können.

Keine festgelegte Obergrenze bedeutet allerdings nicht, dass konzentrierte Präparate in jeder Situation sinnvoll oder frei von Wechselwirkungen wären.

Besonders bei gerinnungshemmenden Medikamenten muss die Zufuhr berücksichtigt werden.


Wann entsteht ein Vitamin-K1-Mangel?

Ein ernährungsbedingter Mangel ist bei gesunden Erwachsenen selten.

Das liegt an mehreren Faktoren:

  • Vitamin K1 kommt in vielen Gemüsesorten vor.
  • Der Körper recycelt Vitamin K.
  • Darmbakterien bilden zusätzlich verschiedene K2-Formen.
  • Der tägliche Bedarf ist vergleichsweise gering.

Ein Mangel kann dennoch entstehen bei:

  • schweren Fettaufnahmestörungen,
  • Gallenwegserkrankungen,
  • chronischen Lebererkrankungen,
  • Mukoviszidose,
  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen,
  • Zöliakie,
  • bestimmten Operationen am Verdauungstrakt,
  • langfristiger parenteraler Ernährung,
  • sehr einseitiger Ernährung,
  • lang andauernder Einnahme bestimmter Antibiotika,
  • Überdosierung von Vitamin-K-Antagonisten.

Da Vitamin K fettlöslich ist, können Erkrankungen, die die Fettaufnahme beeinträchtigen, auch die Vitamin-K-Aufnahme vermindern.


Vitamin K und Antibiotika

Einige Darmbakterien bilden Vitamin-K2-Formen. Breitbandantibiotika können diese Bakterien reduzieren.

Gleichzeitig beeinflussen bestimmte Antibiotika direkt den Vitamin-K-Stoffwechsel.

Bei gesunden Menschen mit guter Ernährung führt eine kurze Antibiotikatherapie normalerweise nicht sofort zu einem gefährlichen Mangel.

Das Risiko steigt jedoch bei:

  • langer Behandlungsdauer,
  • Mangelernährung,
  • Lebererkrankungen,
  • Fettaufnahmestörungen,
  • hohem Alter,
  • gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente.

Vitamin K sollte dennoch nicht routinemäßig zu jedem Antibiotikum eingenommen werden.


Warum Neugeborene Vitamin K erhalten

Neugeborene besitzen nur geringe Vitamin-K-Speicher.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Vitamin K passiert die Plazenta nur begrenzt.
  • Der Darm ist zunächst kaum mit Bakterien besiedelt.
  • Muttermilch enthält vergleichsweise wenig Vitamin K.
  • Die Leber ist noch unreif.

Ohne Prophylaxe kann es zu einer Vitamin-K-Mangelblutung kommen. Besonders gefährlich sind Hirnblutungen, die auch erst Wochen nach der Geburt auftreten können.

Deshalb erhalten Neugeborene routinemäßig Vitamin K.

Diese Prophylaxe ist keine Lifestyle-Supplementierung, sondern eine medizinisch etablierte Maßnahme zur Vermeidung seltener, aber potenziell lebensbedrohlicher Blutungen.


Vitamin K1 als Medikament

Phytomenadion beziehungsweise Phyllochinon wird nicht nur als Nahrungsergänzung, sondern auch medizinisch verwendet.

Mögliche Einsatzgebiete sind:

  • Behandlung eines Vitamin-K-Mangels,
  • Korrektur einer übermäßigen Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten,
  • Vorbeugung von Blutungen bei Neugeborenen,
  • Behandlung bestimmter Gerinnungsstörungen.

Die Dosierungen und Darreichungsformen unterscheiden sich dabei deutlich von gewöhnlichen Nahrungsergänzungsmitteln.

Eine medizinisch notwendige Vitamin-K-Gabe gehört daher nicht mit einer frei verkäuflichen Multivitamintablette gleichgesetzt.


Vitamin K1 und Marcumar: Muss grünes Gemüse verboten werden?

Früher wurde Patienten unter Phenprocoumon oder Warfarin häufig geraten, Vitamin-K-reiche Lebensmittel weitgehend zu meiden.

Diese Empfehlung gilt heute als zu pauschal.

Ein vollständiger Verzicht auf grünes Gemüse kann die Ernährung verschlechtern und zu starken Schwankungen führen, sobald doch einmal Vitamin K gegessen wird.

Oft ist eine gleichmäßige Vitamin-K-Zufuhr sinnvoller.

Das bedeutet:

  • nicht mehrere Tage fast kein Vitamin K und anschließend eine riesige Grünkohlportion,
  • keine plötzlichen extremen Ernährungsumstellungen,
  • neue Nahrungsergänzungsmittel mit dem Arzt abstimmen,
  • INR- beziehungsweise Quick-Werte kontrollieren lassen.

Vitamin K und die Medikamentendosis können aufeinander abgestimmt werden. Entscheidend ist Stabilität.


Gilt die Wechselwirkung für alle „Blutverdünner“?

Nein.

Vitamin K beeinflusst vor allem Vitamin-K-Antagonisten wie:

  • Phenprocoumon,
  • Warfarin.

Direkte orale Antikoagulanzien wirken über andere Mechanismen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Apixaban,
  • Rivaroxaban,
  • Edoxaban,
  • Dabigatran.

Auch Acetylsalicylsäure hemmt nicht den Vitamin-K-Kreislauf.

Das bedeutet nicht, dass Nahrungsergänzungen bei diesen Medikamenten grundsätzlich unproblematisch sind. Die spezielle Vitamin-K-Wechselwirkung ist aber nicht dieselbe.

Der Begriff „Blutverdünner“ fasst Medikamente zusammen, die biologisch sehr unterschiedlich wirken.


Kann eine gleichmäßige kleine Vitamin-K-Dosis die Gerinnung stabilisieren?

Das klingt zunächst widersprüchlich: Warum sollte man einem Patienten unter einem Vitamin-K-Antagonisten zusätzlich Vitamin K geben?

Bei manchen Patienten mit stark schwankenden Gerinnungswerten kann eine konstante kleine Vitamin-K1-Zufuhr tatsächlich dazu beitragen, die Ausgangsversorgung zu stabilisieren. Anschließend wird die Medikamentendosis entsprechend angepasst.

Das darf allerdings nicht eigenmächtig versucht werden.

Eine solche Strategie erfordert:

  • ärztliche Begleitung,
  • engmaschige Gerinnungskontrollen,
  • eine konstante Einnahme,
  • eine Anpassung der Medikamentendosis.

Wer einfach zusätzlich K1 einnimmt, kann die gerinnungshemmende Wirkung gefährlich abschwächen.


K1 oder K2 im Nahrungsergänzungsmittel?

Die Wahl hängt vom Ziel ab.

Vitamin K1 kann sinnvoll sein:

  • bei diagnostiziertem Vitamin-K-Mangel,
  • bei bestimmten Aufnahmestörungen,
  • als Bestandteil medizinischer Behandlungen,
  • wenn gezielt die Gesamtversorgung verbessert werden soll.

Vitamin K2 wird häufiger eingesetzt:

  • als Ergänzung zu Vitamin D,
  • mit Blick auf Osteocalcin und Matrix-Gla-Protein,
  • bei Interesse an Knochen- und Gefäßstoffwechsel.

Für einen gesunden Menschen mit reichlich grünem Gemüse besteht meist kein überzeugender Grund, zusätzlich isoliertes K1 einzunehmen.

Bei einer sehr gemüsearmen Ernährung wäre die nachhaltigere Lösung in der Regel nicht die Kapsel, sondern mehr Gemüse.


Kann der Körper Vitamin K1 in Vitamin K2 umwandeln?

Der Körper kann Vitamin K1 in MK-4 umwandeln.

Dabei wird die Seitenkette des Phyllochinons verändert. Diese Umwandlung findet in verschiedenen Geweben statt.

Das widerlegt die stark vereinfachte Vorstellung, K1 sei ausschließlich für die Leber zuständig und K2 ausschließlich für andere Gewebe.

Allerdings wird K1 nicht einfach in größere Mengen MK-7 umgewandelt. MK-7 stammt vor allem aus bakterieller Fermentation.

K1 und die verschiedenen K2-Formen sind daher weder völlig austauschbar noch vollständig voneinander getrennt.


Muss Vitamin K1 zusammen mit Vitamin D eingenommen werden?

Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme. Vitamin K aktiviert Calcium-bindende Proteine.

Die Stoffe wirken daher im selben größeren Stoffwechselsystem.

Für normale Vitamin-D-Dosierungen gibt es jedoch keinen Beleg, dass zwingend gleichzeitig isoliertes Vitamin K1 eingenommen werden muss.

Wer regelmäßig grünes Gemüse isst, nimmt ohnehin Vitamin K1 auf.

Bei langfristig hohen Vitamin-D-Dosen sollte nicht nur Vitamin K betrachtet werden, sondern ebenfalls:

  • Calcium,
  • Magnesium,
  • Nierenfunktion,
  • Parathormon,
  • Vitamin-D-Blutwert,
  • gesamte Ernährung.

Eine einzelne Kapsel macht eine unangemessen hohe Vitamin-D-Dosis nicht automatisch sicher.


Was ist mit Vitamin K3?

Vitamin K3 wird als Menadion bezeichnet.

Es handelt sich um eine synthetische Vitamin-K-Vorstufe. Sie wurde früher teilweise als Vitaminpräparat verwendet.

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wird Vitamin K3 beim Menschen nicht als gewöhnliches Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. In hohen Mengen kann es unter anderem oxidativen Stress und Schäden an roten Blutkörperchen verursachen.

Vitamin K3 darf daher nicht mit den natürlichen Formen K1 und K2 gleichgesetzt werden.

Der Begriff „Vitamin K“ bedeutet nicht, dass alle entsprechenden Verbindungen denselben Sicherheitsstatus besitzen.


Wie erkennt man eine gute Versorgung?

Ein gewöhnlicher Blutwert für Vitamin K1 ist nur begrenzt aussagekräftig.

Der Wert kann stark von der letzten Mahlzeit, dem Fettstoffwechsel und der Probenverarbeitung abhängen.

Zur Beurteilung werden je nach Fragestellung verwendet:

  • Gerinnungszeit beziehungsweise INR,
  • PIVKA-II,
  • untercarboxyliertes Osteocalcin,
  • uncarboxyliertes Matrix-Gla-Protein,
  • direkte Phyllochinonmessung.

Für gesunde Menschen existiert jedoch kein allgemein empfohlener routinemäßiger Vitamin-K-Test.

Wer regelmäßig grünes Gemüse isst, keine Aufnahmestörung hat und keine auffällige Blutungsneigung zeigt, benötigt normalerweise keine Messung.


Was Vitamin K1 sicher kann

Gut belegt ist, dass Vitamin K1:

  • für die Aktivierung wichtiger Gerinnungsfaktoren notwendig ist,
  • zur normalen Blutgerinnung beiträgt,
  • Osteocalcin und andere Gla-Proteine aktivieren kann,
  • an der Aufrechterhaltung normaler Knochen beteiligt ist,
  • einen medizinisch relevanten Mangel behandeln kann,
  • die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten beeinflusst.

Was Vitamin K1 möglicherweise kann

Noch nicht abschließend geklärt ist, ob eine zusätzliche Einnahme bei ausreichend versorgten Menschen:

  • den altersbedingten Knochenabbau reduziert,
  • Knochenbrüche verhindert,
  • Gefäßverkalkungen verlangsamt,
  • das Herz-Kreislauf-Risiko senkt,
  • Stoffwechselerkrankungen beeinflusst.

Biologische Plausibilität ersetzt keine klinischen Endpunkte.


Was Vitamin K1 nicht bewiesen hat

Nicht überzeugend belegt ist, dass zusätzliche K1-Präparate:

  • Arterien entkalken,
  • Osteoporose allein behandeln,
  • Herzinfarkte verhindern,
  • die Lebenserwartung verlängern,
  • beliebig hohe Calcium- oder Vitamin-D-Dosen absichern,
  • eine gemüsearme Ernährung vollständig ersetzen.

Praktische Orientierung

1. Grünes Gemüse regelmäßig einplanen

Bereits eine normale Portion Spinat, Grünkohl, Brokkoli oder Mangold kann den täglichen Bedarf decken.

2. Etwas Fett verbessert die Aufnahme

Olivenöl, Butter, Eier, Käse, Nüsse oder eine andere Fettquelle unterstützen die Aufnahme des fettlöslichen Vitamins.

3. Eine Supplementierung ist meist nicht erforderlich

Gesunde Menschen mit abwechslungsreicher Ernährung sind in der Regel ausreichend versorgt.

4. Bei Fettaufnahmestörungen genauer hinsehen

Erkrankungen von Darm, Leber, Galle oder Bauchspeicheldrüse können die Vitamin-K-Aufnahme beeinträchtigen.

5. Unter Marcumar keine Experimente

Weder grünes Gemüse vollständig meiden noch hoch dosiertes Vitamin K eigenständig ergänzen. Entscheidend ist eine konstante Zufuhr in Abstimmung mit der Gerinnungstherapie.

6. K1 und K2 nicht gegeneinander ausspielen

Beide Formen haben ihre Berechtigung und gehören zu demselben biologischen System.


Fazit: Vitamin K1 ist wichtiger als sein unspektakuläres Image

Vitamin K1 besitzt keine besonders glamouröse Vermarktung. Es verspricht weder ewige Jugend noch eine spektakuläre Entkalkung der Arterien.

Dafür übernimmt es eine Funktion, ohne die der Mensch nicht überleben könnte:

Es ermöglicht eine kontrollierte Blutgerinnung.

Darüber hinaus beteiligt es sich an der Aktivierung von Proteinen des Knochen- und Calciumstoffwechsels. Die Vorstellung, K1 sei ausschließlich für die Gerinnung und K2 ausschließlich für Knochen und Gefäße zuständig, ist zu stark vereinfacht.

Für die meisten Menschen ist Vitamin K1 kein Supplementproblem, sondern eine Ernährungsfrage.

Wer regelmäßig grünes Gemüse isst, erhält meist mehr als genug davon – zusammen mit Folat, Magnesium, Kalium, Ballaststoffen und zahlreichen Pflanzenstoffen.

Genau darin liegt vielleicht die wichtigste Erkenntnis:

Nicht jeder wertvolle Mikronährstoff muss aus einer Kapsel kommen. Manche wachsen ganz unspektakulär als Brokkoli, Spinat oder Grünkohl.