Vitamin D sorgt dafür, dass der Körper mehr Calcium aus dem Darm aufnehmen kann. Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

Denn aufgenommenes Calcium muss anschließend dorthin gelangen, wo es benötigt wird – vor allem in Knochen und Zähne. Gleichzeitig sollte es sich möglichst nicht dort ablagern, wo es langfristig Probleme verursachen könnte, beispielsweise in Gefäßwänden oder Herzklappen.

An diesem Punkt kommt Vitamin K ins Spiel.

Vitamin K aktiviert Proteine, die an der Blutgerinnung, am Knochenstoffwechsel und an der Regulation von Calcium beteiligt sind. Besonders Vitamin K2 wird deshalb häufig als eine Art „Verkehrspolizist für Calcium“ bezeichnet:

Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme – Vitamin K2 soll dafür sorgen, dass das Calcium am richtigen Ort verwendet wird.

Das klingt biologisch plausibel. Doch schützt Vitamin K2 tatsächlich vor Osteoporose, Arterienverkalkung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Benötigt jeder Mensch zusätzlich Vitamin K2? Und ist die bekannte Kombination aus Vitamin D3 und K2 wirklich unverzichtbar?

Die Antwort fällt differenzierter aus, als es viele Produktwerbungen vermuten lassen.


Vitamin K ist nicht nur ein einzelnes Vitamin

Vitamin K bezeichnet eine Gruppe fettlöslicher Substanzen mit ähnlicher biologischer Wirkung.

Die zwei wichtigsten Formen sind:

  • Vitamin K1, auch Phyllochinon genannt,
  • Vitamin K2, auch Menaquinon genannt.

Vitamin K1 kommt vor allem in grünen Pflanzen vor. Besonders reichhaltige Quellen sind:

  • Grünkohl,
  • Spinat,
  • Mangold,
  • Brokkoli,
  • Rosenkohl,
  • Salate,
  • Petersilie,
  • pflanzliche Öle.

Vitamin K2 ist keine einzelne Substanz, sondern eine Gruppe verschiedener Menaquinone. Diese werden nach der Länge ihrer Seitenkette bezeichnet:

  • MK-4,
  • MK-7,
  • MK-8,
  • MK-9 und weitere Formen.

Für Nahrungsergänzungsmittel sind vor allem MK-4 und MK-7 relevant. Das US-amerikanische Office of Dietary Supplements zählt MK-4, MK-7 und MK-9 zu den am besten untersuchten Formen. MK-7 besitzt im Blut eine deutlich längere Halbwertszeit als MK-4.


Warum Vitamin K lebensnotwendig ist

Vitamin K wird für eine spezielle chemische Reaktion benötigt, die sogenannte Gamma-Carboxylierung.

Dabei aktiviert Vitamin K bestimmte Proteine, indem es ihre Struktur verändert. Erst danach können diese Proteine Calcium binden und ihre eigentliche Aufgabe erfüllen.

Zu diesen Vitamin-K-abhängigen Proteinen gehören unter anderem:

  • Gerinnungsfaktoren in der Leber,
  • Osteocalcin im Knochen,
  • Matrix-Gla-Protein in Gefäßwänden,
  • weitere Proteine in Nieren, Knorpel und anderen Geweben.

Ohne ausreichend Vitamin K können einige dieser Proteine zwar gebildet werden, bleiben jedoch teilweise funktionslos.

Vitamin K wirkt also nicht, indem es selbst Knochen aufbaut oder Calcium transportiert. Es aktiviert vielmehr Proteine, die diese Aufgaben übernehmen.


Die bekannteste Aufgabe: Blutgerinnung

Vitamin K ist unverzichtbar für die Bildung mehrerer Gerinnungsfaktoren.

Ein schwerer Vitamin-K-Mangel kann deshalb zu einer erhöhten Blutungsneigung führen. Mögliche Zeichen sind:

  • ungewöhnlich viele blaue Flecken,
  • Nasenbluten,
  • Zahnfleischbluten,
  • verlängerte Blutungszeiten,
  • in schweren Fällen innere Blutungen.

Bei gesunden Erwachsenen ist ein ausgeprägter Vitamin-K-Mangel relativ selten, weil Vitamin K in zahlreichen Lebensmitteln vorkommt und der Körper es teilweise wiederverwendet.

Ein erhöhtes Risiko besteht beispielsweise bei:

  • schweren Fettaufnahmestörungen,
  • chronischen Erkrankungen von Leber oder Galle,
  • bestimmten Darmerkrankungen,
  • langfristiger Antibiotikatherapie,
  • stark einseitiger Ernährung,
  • Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten.

Neugeborene bilden eine besondere Risikogruppe. Sie erhalten nach der Geburt Vitamin K, weil ihre Speicher gering sind und ein Mangel gefährliche Blutungen verursachen kann.


Vitamin K1 und Vitamin K2: Was ist der Unterschied?

Vitamin K1 und K2 können grundsätzlich beide an der Aktivierung Vitamin-K-abhängiger Proteine mitwirken. Dennoch unterscheiden sie sich in Herkunft, Verteilung und Stoffwechsel.

Vitamin K1

Vitamin K1 stammt überwiegend aus Pflanzen. Es wird besonders stark von der Leber aufgenommen und spielt dort eine wichtige Rolle bei der Aktivierung der Gerinnungsfaktoren.

Vitamin K2

Vitamin K2 stammt vor allem aus:

  • fermentierten Lebensmitteln,
  • bestimmten tierischen Lebensmitteln,
  • bakterieller Bildung.

Menaquinone unterscheiden sich deutlich in ihrer Halbwertszeit und Verteilung im Körper. Längerkettige Formen wie MK-7 bleiben länger im Blut verfügbar. Das ist ein Grund, warum MK-7 in Nahrungsergänzungsmitteln so häufig eingesetzt wird.

Die populäre Vorstellung, Vitamin K1 wirke ausschließlich auf die Gerinnung und Vitamin K2 ausschließlich auf Knochen und Gefäße, ist allerdings zu stark vereinfacht.

Beide Formen gehören zum selben Vitamin-K-System. Die Unterschiede sind graduell und nicht absolut.


MK-4 oder MK-7: Welche Form ist besser?

MK-4

MK-4 ist eine kurzkettige Form von Vitamin K2. Sie kommt in kleinen Mengen in tierischen Lebensmitteln vor und kann teilweise im Körper aus Vitamin K1 gebildet werden.

MK-4 besitzt eine relativ kurze Halbwertszeit. In japanischen Osteoporosestudien wurde es teilweise in sehr hohen pharmakologischen Dosierungen eingesetzt – häufig mit 45 Milligramm täglich.

Das sind 45.000 Mikrogramm und damit eine völlig andere Größenordnung als übliche Nahrungsergänzungsmittel.

Ergebnisse solcher Arzneimittelstudien lassen sich deshalb nicht einfach auf ein handelsübliches Präparat mit 100 oder 200 Mikrogramm übertragen.

MK-7

MK-7 wird vor allem durch bakterielle Fermentation gebildet. Besonders reich ist das japanische Lebensmittel Natto.

MK-7 bleibt länger im Blut und kann deshalb in deutlich niedrigeren Dosierungen verwendet werden. Typische Nahrungsergänzungsmittel enthalten:

  • 50 Mikrogramm,
  • 100 Mikrogramm,
  • 200 Mikrogramm.

MK-7 ist nicht automatisch „stärker“ als MK-4. Es besitzt vor allem eine längere Verfügbarkeit.

Für eine tägliche Supplementierung ist MK-7 deshalb meist praktischer.


Wo kommt Vitamin K2 natürlich vor?

Vitamin K2 kommt in fermentierten und einigen tierischen Lebensmitteln vor.

Mögliche Quellen sind:

  • Natto,
  • bestimmte gereifte Käsesorten,
  • Sauermilchprodukte,
  • Eigelb,
  • Leber,
  • Fleisch,
  • Butter,
  • fermentiertes Gemüse.

Der Gehalt schwankt allerdings erheblich.

Er hängt unter anderem ab von:

  • Tierhaltung,
  • Fütterung,
  • Fermentationsverfahren,
  • Bakterienstämmen,
  • Reifezeit,
  • Verarbeitung.

Natto ist mit Abstand eine der reichhaltigsten bekannten Quellen für MK-7. Allerdings ist sein intensiver Geschmack für viele Europäer gewöhnungsbedürftig – freundlich gesagt.

Käse kann verschiedene Menaquinone enthalten, insbesondere MK-8 und MK-9. Die Mengen sind jedoch je nach Sorte und Herstellung sehr unterschiedlich.


Bildet die Darmflora genügend Vitamin K2?

Darmbakterien können Menaquinone bilden. Daraus wird häufig geschlossen, der Mensch könne seinen gesamten Vitamin-K2-Bedarf selbst decken.

Das ist nicht sicher.

Ein großer Teil der bakteriellen Produktion findet im Dickdarm statt. Viele fettlösliche Vitamine werden jedoch überwiegend weiter oben im Dünndarm aufgenommen. Außerdem können die von Bakterien gebildeten Formen schlecht verfügbar oder fest an bakterielle Strukturen gebunden sein.

Die Darmflora trägt vermutlich zur Versorgung bei. Wie groß dieser Beitrag im Einzelfall ist, lässt sich jedoch kaum zuverlässig bestimmen.

Die Aussage „Vitamin K2 muss grundsätzlich supplementiert werden, weil die Darmflora nichts liefert“ ist genauso überzogen wie die Gegenbehauptung, Darmbakterien würden jeden Bedarf vollständig decken.


Osteocalcin: Das Vitamin-K-Protein im Knochen

Osteocalcin wird von knochenbildenden Zellen produziert.

Damit Osteocalcin Calcium binden kann, muss es durch Vitamin K aktiviert beziehungsweise carboxyliert werden.

Bei unzureichender Vitamin-K-Versorgung steigt der Anteil des untercarboxylierten Osteocalcins. Dieser Laborwert wird in Studien häufig als Marker für den Vitamin-K-Status des Knochens verwendet.

Eine Einnahme von Vitamin K2 kann den Anteil des aktivierten Osteocalcins erhöhen. Das ist biologisch gut belegt.

Die entscheidende Frage lautet jedoch:

Führt die bessere Aktivierung des Proteins tatsächlich zu weniger Knochenbrüchen?

Hier wird die Datenlage deutlich unsicherer.


Vitamin K2 und Osteoporose

Vitamin K2 wird häufig als Mittel gegen Osteoporose beworben.

Tatsächlich gibt es mehrere plausible Mechanismen:

  • Aktivierung von Osteocalcin,
  • Beteiligung an der Knochenmineralisierung,
  • mögliche Hemmung knochenabbauender Prozesse,
  • Unterstützung der Osteoblasten,
  • Zusammenspiel mit Vitamin D und Calcium.

Einige Studien zeigen Verbesserungen bestimmter Knochenmarker oder kleine Effekte auf die Knochendichte.

Insbesondere japanische Untersuchungen mit hoch dosiertem MK-4 berichteten teilweise positive Wirkungen. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht ohne Weiteres auf normale Nahrungsergänzungsmittel übertragbar.

Zudem unterscheiden sich die Studien erheblich:

  • verschiedene Vitamin-K-Formen,
  • unterschiedliche Dosierungen,
  • verschiedene Altersgruppen,
  • unterschiedliche Ausgangsversorgung,
  • Kombinationen mit Vitamin D oder Calcium,
  • kurze oder lange Studiendauer.

Ein älteres randomisiertes Studiendesign untersuchte beispielsweise die Kombination aus Vitamin D3 und Vitamin K2 bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose und fand einen Nutzen für die Knochendichte. Die Studie war jedoch klein, verwendete eine spezielle Patientengruppe und erlaubt keine pauschale Aussage für die Allgemeinbevölkerung.

Die nüchterne Bewertung lautet:

Vitamin K ist für einen normalen Knochenstoffwechsel notwendig. Ob zusätzliche übliche K2-Dosen bei ausreichend versorgten Menschen zuverlässig Knochenbrüche verhindern, ist noch nicht überzeugend belegt.


Warum Knochendichte nicht die ganze Wahrheit ist

Viele Supplementstudien messen die Knochendichte.

Doch die Stabilität eines Knochens hängt nicht nur von seiner Mineralmenge ab.

Wichtig sind außerdem:

  • Knochenstruktur,
  • Kollagenqualität,
  • Muskelkraft,
  • Gleichgewicht,
  • Sturzrisiko,
  • Hormonstatus,
  • Proteinversorgung,
  • körperliche Belastung,
  • Medikamente,
  • Alter.

Ein Präparat kann einen Laborwert oder einen Knochenmarker verbessern, ohne dass dadurch automatisch weniger Hüftfrakturen entstehen.

Für Patienten ist aber nicht der schönere Marker entscheidend, sondern ob der Knochen tatsächlich hält.


Matrix-Gla-Protein: Der mögliche Gefäßschutz

Das Matrix-Gla-Protein, kurz MGP, wird in Gefäßwänden und anderen Geweben gebildet.

Es gilt als einer der wichtigsten körpereigenen Hemmstoffe von Gefäßverkalkungen.

Damit MGP Calcium binden und Verkalkungsprozesse hemmen kann, muss es durch Vitamin K aktiviert werden.

Bei unzureichender Vitamin-K-Versorgung steigt der Anteil des inaktiven, uncarboxylierten MGP. Dieser Marker wird häufig als dp-ucMGP gemessen.

Vitamin-K2-Präparate können den dp-ucMGP-Wert senken. Das zeigt, dass mehr MGP aktiviert wird.

Wieder stellt sich jedoch dieselbe Frage wie beim Osteocalcin:

Verbessert sich nur der Laborwert – oder werden tatsächlich Herzinfarkte, Schlaganfälle und Gefäßverkalkungen verhindert?


Vitamin K2 und Arterienverkalkung

Beobachtungsstudien fanden teilweise Zusammenhänge zwischen einer höheren Aufnahme von Vitamin K2 und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gefäßverkalkungen.

Solche Ergebnisse sind interessant, beweisen aber keine Ursache.

Menschen, die mehr bestimmte fermentierte Lebensmittel oder hochwertige Käsesorten essen, unterscheiden sich möglicherweise auch in anderen Bereichen ihres Lebensstils.

Randomisierte Studien liefern bisher kein einheitliches Bild.

Bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung wurde beispielsweise untersucht, ob Vitamin K2 die Gefäßverkalkung verlangsamen kann. Die Ergebnisse waren nicht eindeutig genug, um daraus eine allgemeine Therapieempfehlung abzuleiten.

Das ist besonders relevant, weil Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ein hohes Risiko für Gefäßverkalkungen haben. Gerade in dieser Gruppe müsste ein starker Effekt eigentlich sichtbar sein.

Bislang lässt sich daher sagen:

  • Vitamin K2 aktiviert Gefäßschutzproteine.
  • Ein ungünstiger Vitamin-K-Status hängt mit Verkalkungen zusammen.
  • Ein zuverlässiger Schutz vor klinischen Herz-Kreislauf-Ereignissen ist durch Supplemente noch nicht bewiesen.

Vitamin K2 bei Aortenklappenverkalkung

Eine verkalkte Aortenklappe kann sich zunehmend verengen. Diese sogenannte Aortenklappenstenose ist eine häufige Erkrankung im höheren Alter.

Da MGP Verkalkungsprozesse hemmen kann, wurde untersucht, ob Vitamin K2 das Fortschreiten einer Aortenklappenverkalkung bremst.

In einer randomisierten Studie erhielten Patienten mit Aortenklappenverkalkung MK-7 zusammen mit Vitamin D oder ein Placebo.

Die Behandlung verbesserte zwar Marker des Vitamin-K-Status, verlangsamte aber die Verkalkung der Aortenklappe nicht signifikant.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum Laborbiologie und klinische Wirkung getrennt betrachtet werden müssen.

Ein Protein kann besser aktiviert werden, ohne dass eine bereits etablierte Verkalkung dadurch messbar zurückgeht.


Kann Vitamin K2 bestehende Verkalkungen auflösen?

Dafür gibt es keinen überzeugenden Beweis.

Vitamin K2 wird im Internet manchmal so dargestellt, als würde es Calcium aus den Arterien herausziehen und zurück in den Knochen transportieren.

Das ist ein anschauliches Bild, aber biologisch zu simpel.

Vitamin K2 könnte möglicherweise dazu beitragen, körpereigene Schutzmechanismen gegen weitere Verkalkung funktionsfähig zu halten. Eine bereits stark verkalkte Arterie oder Herzklappe wird durch einige Kapseln jedoch nicht einfach „entkalkt“.

Bestehende Gefäßverkalkungen sind komplexe Gewebeveränderungen mit:

  • Entzündungsprozessen,
  • Lipideinlagerungen,
  • Umbau von Gefäßzellen,
  • knochenähnlichen Strukturen,
  • Calcium- und Phosphatablagerungen.

Ein einzelner Mikronährstoff kann diesen Prozess nicht rückgängig machen wie ein Entkalker in der Kaffeemaschine.


Vitamin D3 und K2: Gehören sie zwingend zusammen?

Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme aus dem Darm.

Vitamin K aktiviert Proteine wie Osteocalcin und MGP, die Calcium in Knochen und Gefäßen regulieren.

Daraus ergibt sich eine nachvollziehbare biologische Partnerschaft.

Die häufige Werbeaussage lautet jedoch:

Vitamin D darf niemals ohne Vitamin K2 eingenommen werden.

Diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Für normale Vitamin-D-Dosierungen gibt es keinen Nachweis, dass Menschen ohne zusätzliches K2 automatisch Gefäßverkalkungen entwickeln.

Auch große Vitamin-D-Studien wurden in der Regel nicht grundsätzlich mit K2 kombiniert. Ein allgemeines Sicherheitssignal, wonach Vitamin D ohne K2 regelmäßig Gefäße verkalkt, wurde dabei nicht festgestellt.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, bei langfristig höherer Vitamin-D-Einnahme nicht ausschließlich auf Vitamin D zu schauen, sondern auch folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Vitamin-K-Zufuhr,
  • Calciumzufuhr,
  • Magnesiumversorgung,
  • Nierenfunktion,
  • Parathormon,
  • Vitamin-D-Blutwert.

Die Kombination aus D3 und K2 ist biologisch sinnvoll.

Sie ist aber kein Freibrief für Megadosen und kein Beweis dafür, dass jede Vitamin-D-Kapsel zwingend K2 enthalten muss.


Calcium, Vitamin D und K2: Ein biologisches Dreieck

Diese drei Stoffe beeinflussen sich gegenseitig.

Calcium

Calcium ist ein Baustoff für Knochen und Zähne und wird außerdem für Muskeln, Nerven und Zellfunktionen benötigt.

Vitamin D

Vitamin D steigert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und beeinflusst dessen Stoffwechsel.

Vitamin K

Vitamin K aktiviert Proteine, die Calcium binden und in Geweben regulieren.

Ein Mangel an einem Faktor kann das System beeinträchtigen.

Doch „mehr von allem“ ist nicht automatisch besser.

Sehr hohe Calciumzufuhr, sehr hohe Vitamin-D-Dosen und eine beliebige Menge K2 ergeben nicht zwangsläufig besonders starke Knochen.

Ein funktionierender Knochenstoffwechsel benötigt zusätzlich:

  • mechanische Belastung,
  • Krafttraining,
  • Protein,
  • Magnesium,
  • Phosphat,
  • Hormone,
  • ausreichende Energiezufuhr.

Vitamin K2 und Zahnmedizin

Zähne und Kieferknochen enthalten ebenfalls Vitamin-K-abhängige Proteine.

Deshalb wird Vitamin K2 gelegentlich mit folgenden Wirkungen beworben:

  • stärkere Zähne,
  • weniger Karies,
  • bessere Zahnentwicklung,
  • Schutz vor Parodontitis,
  • bessere Einlagerung von Calcium.

Die Mechanismen sind plausibel. Die klinische Forschung ist jedoch deutlich schwächer als die Werbung.

Vitamin K2 ersetzt weder:

  • Fluorid,
  • Zahnhygiene,
  • eine zuckerarme Ernährung,
  • regelmäßige Zahnarztkontrollen,
  • Behandlung einer Parodontitis.

Ein möglicher Zusatznutzen ist denkbar. Eine gesicherte eigenständige Zahntherapie ist Vitamin K2 nicht.


Vitamin K2 und Insulinempfindlichkeit

Osteocalcin wird nicht nur mit Knochen, sondern auch mit dem Energiestoffwechsel in Verbindung gebracht.

Tiermodelle und Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Vitamin-K-abhängige Prozesse möglicherweise Einfluss haben auf:

  • Insulinempfindlichkeit,
  • Betazellfunktion,
  • Glukosestoffwechsel,
  • Entzündung.

Einige kleinere Studien fanden günstige Veränderungen bestimmter Stoffwechselmarker.

Für eine allgemeine Empfehlung von Vitamin K2 zur Vorbeugung oder Behandlung von Diabetes reicht die Evidenz jedoch nicht aus.

Wer seine Insulinempfindlichkeit verbessern möchte, erreicht deutlich mehr durch:

  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht,
  • Muskelaufbau,
  • Bewegung nach Mahlzeiten,
  • ausreichend Schlaf,
  • weniger hochverarbeitete Lebensmittel.

Vitamin K2 könnte höchstens ein unterstützender Faktor sein.


Wie viel Vitamin K benötigt der Mensch?

Die offiziellen Zufuhrempfehlungen beziehen sich meist auf Vitamin K insgesamt, nicht speziell auf Vitamin K2.

Sie basieren vor allem auf der Menge, die für eine normale Blutgerinnung erforderlich ist.

Je nach Fachgesellschaft, Alter und Geschlecht liegen die Orientierungswerte für Erwachsene meist im Bereich von ungefähr:

  • 60 bis 80 Mikrogramm täglich.

Dabei ist wichtig:

Diese Referenzwerte sagen nicht, wie viel K2 optimal für Knochen oder Gefäße wäre.

Für Vitamin K2 existiert bislang kein allgemein anerkannter eigener Tagesbedarf.

Das ist einer der Gründe, warum Hersteller sehr unterschiedliche Dosierungen anbieten.


Typische K2-Dosierungen

Handelsübliche Nahrungsergänzungsmittel enthalten häufig:

  • 50 Mikrogramm MK-7,
  • 100 Mikrogramm MK-7,
  • 200 Mikrogramm MK-7.

Bei MK-4 kommen je nach Produkt deutlich andere Mengen vor.

Für gesunde Erwachsene werden bei MK-7 häufig 100 bis 200 Mikrogramm täglich verwendet. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Menge für jeden erforderlich oder optimal ist.

Die ideale Dosis hängt vermutlich ab von:

  • Ernährung,
  • Vitamin-K-Ausgangsversorgung,
  • Alter,
  • Erkrankungen,
  • Medikamenten,
  • Ziel der Einnahme.

Ein klar definierter therapeutischer Zielwert für Vitamin K2 existiert nicht.


Muss Vitamin K2 täglich eingenommen werden?

MK-7 besitzt eine relativ lange Halbwertszeit und bleibt länger im Blut verfügbar. Daher eignet es sich gut für eine einmal tägliche Einnahme.

MK-4 wird schneller abgebaut und müsste bei niedrigen Dosierungen theoretisch häufiger eingenommen werden. Hoch dosiertes MK-4 wurde in klinischen Studien teilweise auf mehrere Tagesdosen verteilt.

Für normale Nahrungsergänzungsmittel ist eine tägliche Einnahme üblich.

Da Vitamin K fettlöslich ist, bietet sich die Einnahme zu einer Mahlzeit mit etwas Fett an.


All-trans und cis: Qualitätsunterschiede bei MK-7

MK-7 kann in verschiedenen räumlichen Formen vorkommen.

Die biologisch aktive Form wird als all-trans-MK-7 bezeichnet.

Bei minderwertiger Herstellung können höhere Anteile sogenannter cis-Isomere entstehen, die biologisch deutlich weniger wirksam sein können.

Ein gutes Präparat sollte deshalb möglichst:

  • einen hohen all-trans-Anteil aufweisen,
  • eine klare Dosierungsangabe enthalten,
  • stabil verpackt sein,
  • seriös geprüft werden.

Begriffe wie „99 Prozent all-trans“ klingen allerdings nur dann überzeugend, wenn der Hersteller dies tatsächlich analytisch belegen kann.


Ist Vitamin K2 sicher?

Vitamin K1 und Vitamin K2 gelten in üblichen Mengen als gut verträglich.

Anders als bei Vitamin A oder Vitamin D wurde für natürlich vorkommende Formen von Vitamin K bislang keine klassische toxische Obergrenze festgelegt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Dosis in jeder Situation harmlos ist.

Besonders wichtig sind Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten.


Die wichtigste Warnung: Vitamin-K-Antagonisten

Medikamente wie:

  • Phenprocoumon,
  • Marcumar,
  • Warfarin,

hemmen den Vitamin-K-Kreislauf.

Dadurch wird die Bildung aktiver Gerinnungsfaktoren reduziert und das Blut gerinnt langsamer.

Vitamin-K-Präparate können diese Wirkung abschwächen.

Menschen, die solche Medikamente einnehmen, sollten Vitamin K2 deshalb nicht eigenmächtig ergänzen.

Wichtig ist dabei nicht nur die Gesamtmenge, sondern auch die Konstanz.

Starke Schwankungen der Vitamin-K-Zufuhr können den INR- oder Quick-Wert verändern.

Das bedeutet nicht, dass Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten sämtliche grünen Gemüse meiden müssen. Häufig ist eine gleichmäßige Ernährung sinnvoller als ein vollständiger Verzicht.

Die Abstimmung gehört jedoch in ärztliche Hände.


Gilt diese Warnung für alle Blutverdünner?

Nein.

Neuere direkte orale Antikoagulanzien wie:

  • Apixaban,
  • Rivaroxaban,
  • Edoxaban,
  • Dabigatran

wirken nicht über Vitamin K.

Vitamin K2 neutralisiert ihre Wirkung deshalb nicht auf dieselbe Weise.

Trotzdem sollte bei Gerinnungsstörungen, Thrombosen oder komplexer Medikation jede Supplementierung mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

„Blutverdünner“ ist kein einheitlicher Medikamententyp.


Wer könnte von Vitamin K2 besonders profitieren?

Eine Supplementierung könnte eher erwogen werden bei Menschen mit:

  • sehr geringer Aufnahme Vitamin-K-reicher Lebensmittel,
  • Osteoporoserisiko,
  • langfristiger Einnahme höherer Vitamin-D-Dosen,
  • eingeschränkter Fettaufnahme,
  • bestimmten chronischen Erkrankungen,
  • hohem Alter,
  • nachgewiesenen ungünstigen Vitamin-K-Markern.

Das bedeutet nicht, dass in diesen Gruppen automatisch ein klinischer Nutzen garantiert ist.

Es bedeutet lediglich, dass dort ein plausiblerer Bedarf besteht als bei einem jungen, gesunden Menschen mit abwechslungsreicher Ernährung.


Wer sollte besonders vorsichtig sein?

Besondere Vorsicht ist nötig bei:

  • Einnahme von Phenprocoumon oder Warfarin,
  • Gerinnungsstörungen,
  • schweren Lebererkrankungen,
  • Schwangerschaft und Stillzeit bei hohen Dosierungen,
  • geplanter Operation,
  • unklaren Blutungen,
  • komplexer Mehrfachmedikation.

Vor Operationen sollte die Einnahme aller Nahrungsergänzungsmittel angegeben werden.


Kann man einen Vitamin-K2-Mangel messen?

Der gewöhnliche Vitamin-K-Spiegel im Blut ist nur begrenzt aussagekräftig.

Er kann stark von der letzten Mahlzeit abhängen.

In Studien werden deshalb häufig funktionelle Marker verwendet:

  • untercarboxyliertes Osteocalcin,
  • dp-ucMGP,
  • Gerinnungsparameter,
  • PIVKA-II.

Diese Tests sind jedoch nicht Teil gewöhnlicher Routineuntersuchungen.

Für gesunde Menschen existiert kein allgemein etablierter K2-Zielwert, vergleichbar mit dem 25(OH)D-Wert bei Vitamin D.

Die Supplementindustrie vermittelt gelegentlich den Eindruck, man müsse nur einen einzelnen K2-Wert messen und anschließend genau dosieren. So einfach ist es derzeit nicht.


Reicht eine gute Ernährung aus?

Für die Blutgerinnung lässt sich der Vitamin-K-Bedarf bei den meisten Menschen gut durch Lebensmittel decken.

Grünes Gemüse liefert reichlich Vitamin K1.

Ob dadurch auch sämtliche möglichen extrahepatischen Effekte von K2 optimal abgedeckt werden, ist weniger klar.

Der Körper kann einen Teil von Vitamin K1 in MK-4 umwandeln. Außerdem liefern fermentierte und tierische Lebensmittel verschiedene K2-Formen.

Eine Ernährung mit:

  • grünem Gemüse,
  • Eiern,
  • hochwertigen Milchprodukten,
  • gereiftem Käse,
  • fermentierten Lebensmitteln

dürfte für viele Menschen eine gute Grundlage darstellen.

Wer kaum Gemüse und praktisch keine fermentierten oder tierischen Lebensmittel isst, hat eine deutlich schlechtere Ausgangslage.


Das Problem mit der „Calcium-Verkehrspolizei“

Die Metapher vom Vitamin K2 als Calcium-Verkehrspolizist ist anschaulich.

Sie suggeriert jedoch manchmal zu viel Kontrolle.

Calcium wird nicht allein durch K2 gesteuert. Beteiligt sind unter anderem:

  • Vitamin D,
  • Parathormon,
  • Calcitonin,
  • Nierenfunktion,
  • Phosphat,
  • Magnesium,
  • Hormone,
  • Entzündungsprozesse,
  • mechanische Belastung.

Vitamin K2 ist ein Teil dieses Systems.

Es sitzt aber nicht allein in einer Leitstelle und entscheidet, welches Calciumatom in den Knochen und welches in die Arterie gelangt.


Was Vitamin K2 wahrscheinlich kann

Nach dem heutigen Stand lässt sich relativ gut begründen, dass Vitamin K2:

  • Vitamin-K-abhängige Proteine aktiviert,
  • Osteocalcin carboxyliert,
  • Matrix-Gla-Protein aktiviert,
  • Marker des Vitamin-K-Status verbessert,
  • zum normalen Knochenstoffwechsel beiträgt,
  • biologisch am Schutz vor Fehlverkalkungen beteiligt ist.

Was Vitamin K2 möglicherweise kann

Noch nicht abschließend geklärt ist, ob eine zusätzliche Einnahme:

  • den altersbedingten Knochenabbau relevant reduziert,
  • Knochenbrüche verhindert,
  • die Gefäßsteifigkeit verbessert,
  • das Fortschreiten von Arterienverkalkung verlangsamt,
  • das Herz-Kreislauf-Risiko senkt,
  • den Glukosestoffwechsel verbessert.

Für einzelne Gruppen oder bestimmte Dosierungen könnten Vorteile bestehen. Die Studienlage ist jedoch nicht stabil genug für große Versprechen.


Was Vitamin K2 bisher nicht bewiesen hat

Nicht überzeugend belegt ist, dass Vitamin K2:

  • bestehende Arterien entkalkt,
  • Herzklappenverkalkungen rückgängig macht,
  • Herzinfarkte zuverlässig verhindert,
  • jede Vitamin-D-Einnahme sicher macht,
  • Calcium grundsätzlich aus Gefäßen in Knochen umleitet,
  • Osteoporose allein behandeln kann,
  • eine schlechte Ernährung oder Bewegungsmangel kompensiert.

Praktische Orientierung für die Einnahme

Für Menschen, die Vitamin K2 ergänzen möchten, lässt sich folgende vorsichtige Orientierung ableiten:

1. Ernährung zuerst betrachten

Wer täglich grünes Gemüse und regelmäßig fermentierte oder tierische Lebensmittel isst, bringt bereits eine gute Vitamin-K-Grundlage mit.

2. MK-7 ist für die tägliche Einnahme praktikabel

Aufgrund der langen Halbwertszeit wird häufig MK-7 verwendet.

3. Moderate Mengen genügen meist

Übliche Präparate enthalten 100 bis 200 Mikrogramm MK-7 täglich.

Mehr ist nicht automatisch wirksamer.

4. Zu einer Mahlzeit einnehmen

Als fettlösliches Vitamin wird K2 am besten gemeinsam mit etwas Nahrungsfett aufgenommen.

5. Vitamin D nicht als Rechtfertigung für Hochdosen benutzen

K2 macht extreme Vitamin-D-Dosen nicht automatisch sicher.

6. Bei Marcumar und ähnlichen Medikamenten nicht selbst experimentieren

Hier kann Vitamin K die Wirkung der Therapie erheblich beeinflussen.


Fazit: Biologisch überzeugend, klinisch noch nicht endgültig geklärt

Vitamin K2 ist kein erfundenes Marketingvitamin.

Es aktiviert Proteine, die eine zentrale Rolle im Knochenstoffwechsel und bei der Kontrolle von Gewebeverkalkungen spielen. Besonders Osteocalcin und Matrix-Gla-Protein zeigen, dass Vitamin K weit mehr leistet als nur die Unterstützung der Blutgerinnung.

Die biologische Grundlage ist stark.

Die klinische Beweislage ist jedoch weniger spektakulär.

Vitamin K2 verbessert zuverlässig bestimmte Labor- und Funktionsmarker. Ob übliche Supplementdosen bei gesunden Menschen tatsächlich Knochenbrüche, Herzinfarkte oder Gefäßverkalkungen verhindern, ist bisher nicht eindeutig belegt.

Die vernünftige Schlussfolgerung lautet deshalb:

Vitamin K2 ist ein plausibler und möglicherweise wertvoller Baustein – aber kein Entkalkungsmittel für Arterien und kein Freibrief für beliebig hohe Vitamin-D- oder Calciumdosen.

Wer Vitamin D langfristig ergänzt, wenig Vitamin-K-reiche Lebensmittel isst oder ein erhöhtes Osteoporoserisiko hat, kann K2 sinnvoll in die Gesamtstrategie einbeziehen.

Doch starke Knochen und gesunde Gefäße entstehen nicht aus einer einzigen Kapsel.

Sie entstehen aus dem Zusammenspiel von Ernährung, Bewegung, Muskelkraft, Stoffwechsel, Hormonen – und einer vernünftigen Versorgung mit allen beteiligten Mikronährstoffen.